Expeditionskorps Leckmuschel69
Lernen durch Schmerz – Motivation durch Entsetzen
Die Leckmuschel - und wo sie herkam
Im Jahre des Herrn 1869, als die Dämmerung der Moderne ihren Schatten über das Land warf, entsprang aus den tiefen Hallen des Geistes ein Gedanke von unermesslicher Größe. Ludwig Ernst Casper Kmuschel, ein Mann von stählernem Willen und erhabenem Geist, erkor sich das Schicksal zum Gründer eines wahrhaftigen Expeditionskorps.
Die Legende besagt, dass es an jenem verhängnisvollen Tag war, als Ludwig Kmuschel auf einem einsamen Strand stand, das Rauschen der Wellen im Ohr und die salzige Brise in seinen Haaren. Sein Blick fiel auf eine einsame Leckmuschel, die am Ufer lag, von den Gezeiten hin- und hergeworfen. Es war, als ob sie ihm eine Botschaft aus den Tiefen des Meeres übermittelte – eine Botschaft von Abenteuer und Entdeckung.
Getrieben von der Faszination des Unbekannten und der Sehnsucht nach dem Ungesehenen, entschloss sich Ludwig Kmuschel, ein Korps von unerschrockenen Seelen zu gründen, deren Herzen nach den Sternen griffen und deren Füße die Pfade der Ungezähmtheit erkunden wollten. Unter dem Banner der Leckmuschel, als Symbol der Verbindung zwischen Land und Meer, vereinte er tapfere Männer und Frauen, deren Mut und Entschlossenheit nur durch ihre Neugier übertroffen wurden.
Das Expeditionskorps Leckmuschel69 wurde geboren, und mit ihm begann eine Ära unvergesslicher Abenteuer und heroischer Taten. Ihre Geschichten wurden zu Legenden, ihre Taten zu Mythen, und ihr Name zu einem Ruf, der bis in die entlegensten Winkel der Welt hallte.
Doch wie jede Legende hat auch diese ihre Wendungen und Schicksalsschläge. Jahre später, als die Zeit ihre Spuren hinterließ und die Welt sich wandelte, übergab Ludwig Kmuschel das Kommando über das Korps an eine neue Generation von Entdeckern – die Zugvögel, eine Gruppe von Visionären, die den Ruf des Unentdeckten weitertragen sollten, während die Leckmuschel als Symbol der unerschütterlichen Verbundenheit in den Annalen der Geschichte fortleben würde.
Zeitstrahl
Freiherr Ludwig Ernst Casper Kmuschel gründet nach einem durchzechten Jagdausflug die Badische Verbindung mittelständischer Großwildjäger in Langen-Denzlingen. Aufgrund fehlender Geldmittel rückt die afrikanische Safari jedoch in weite Ferne. Folgend werden in räuberischer Manier der nahe Kaiserstuhl und das benachbarte Elsass durchstreift. Per Gerichtsbeschluss des Amtsgerichts Freiburg i.B. werden Kmuschel und seine Begleiter Ende des Jahres für ihr Wüten in der Gegend festgesetzt und zu Sträflingsarbeit in Danzig verurteilt.
L.E.C. Kmuschel entdeckt während eines nachmittäglichen Freigangs am Strand der Ostsee eine Herzmuschel. Getrieben von den Strapazen des Vollzugs beginnt er, den Inhalt vorsichtig auszulecken. In den folgenden Tagen, im Wahn des Fiebers einer resultierenden Fischvergiftung, ersinnt er sein Vermächtnis.
In Rastatt wird im Februar das 1. Großherzoglich Badische Expeditionskorps aufgestellt. Unter den ersten Kommandeuren finden sich namentlich:
– Don Philipe de Strazo
– Graf Markus Barmbeck
– Julius Steinhart
– Michael Winklermann
– Compter Daniele de Dilgé
Bereits im März fällt L.E.C. Kmuschel jedoch bei Großherzog Leopold von Baden in Ungnade. Er wird enteignet und das Korps zur Interessengemeinschaft reduziert.
Im Deutsch-Französischen Krieg fällt L.E.C. Kmuschel in der Schlacht von Sedan, kann aber nach kurzer Verschnaufpause wieder aufstehen. Er entlässt sich selbstständig in die Heimat und spezialisiert sich von nun an auf Wanderausflüge mit geringem Komfort.
Die Annehmlichkeiten der Ausflüge werden erneut, ohne Angabe von Gründen drastisch reduziert. Der Württembergische Vacations-Führer beschreibt die Unternehmungen in seiner August-Ausgabe als „durchweg unangenehm“.
Freiherr Kmuschel ertrinkt im Branntwein. Er steigt dabei jedoch noch zweimal aus dem Fass um sich zu erleichtern.
Zum 40-jährigen Bestehen des Korps wird den Mitgliedern die erste leserliche Satzung vorgelegt. Die Verwendung der Sütterlin-Schriftart stellt den Begriff „leserlich“ infrage, woraufhin weiterhin keine klare Struktur geschaffen werden kann.
Pünktlich zu Kriegsbeginn beruft sich das Korps geschlossen auf bereits genehmigte Urlaubsanträge und interniert sich selbstständig in der Schweiz.
Die Zustände im Schweizer Exil werden im Feldtagebuch eines unbekannten Angehörigen als „elend und katastrophal“ beschrieben. Man entschließt sich, stattdessen eine zufällige Kriegsgefangenschaft in Afrika anzustreben.
Durch den örtlich mangelhaften Telefonanschluss im Kongo, wird das Korps erst im Frühjahr 1959 über eine Rückreisegenehmigung informiert. Die letzten Angehörigen sind an Weihnachten 1960 zurück bei ihren mittlerweile bereits größtenteils verstorbenen Angehörigen.
In Gedenken an den Gründervater des Korps wird die verbandsinterne Delikatesse der roh zu verzehrenden Muschel neu aufgelegt: Die L.E.C.Kmuschel ist geboren!
Nach einer Sammelbeschwerde des – kurzlebigen – Bundesverbandes westdeutscher Schreibmaschinenkräfte wird die Schreibweise zu „Leckmuschel“ vereinfacht.
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